Kurze Geschichte der Tieler Denare

In der Stadt Tiel wurden Münzen für die römischen Könige/Kaiser Otto III (983-1002), Heinrich II (1002-1024), Konrad II (1024-1039), Heinrich III (1039-1056) und Heinrich IV (1056-1106) geprägt.

Otto III. war der Sohn von Kaiser Otto II.
Seine Mutter war die aus Griechenland stammende Theopano.
Er regierte von 983 bis 1002.
Er war sehr gebildet; es trug ihm die Bezeichnung "Mirabilia Mundi"
(Wunder der Welt) ein.
Im alter von 16 Jahren (996) wurde er durch Papst Gregor V. zum Kaiser gekrönt.
Er starb im Alter von 22 Jahren auf dem Kastell Paterno in Italien.
Sein Leichnam wurde nach Deutschland überfürt und in Aachen in der Kapelle von Karl dem Großen beigesetzt.
Von Otto III. ist lediglich eine Tieler Münze bekannt und zwar aus seiner Königszeit.
Deise Münze trägt an beiden Seiten ein Kreuz und den Text TIOLA.
In der Literatur ist diese Münze nachgewiesen bei Hatz 1 und Ilisch 3.1.

Abbildung: Otto III., sitzend auf dem Thron, flankiert von zwei geistlichen (links) und zwei weltlichen Personen (rechts).
Heinrich II. (der Heilige) letzter König aus der sächsischen Ottonenfamilie, wurde 973 in Hildesheim geboren. 995 folgte er seinem Vater auf dem bayerischen Herzogthron.
1002 wurde er deutscher König und 1014 krönte ihn Papst Benedikt VIII. zum Kaiser. Zusammen mit seiner Frau Kunigunde stiftete er verschiedene Bistümer.
Seine Ehe bliebt kinderlos. Im Alter von 52 Jahren stirbt Heinrich in Grona bei Göttingen (1024). Beigesetzt wurde er in Bamberg.
122 Jahre später wird er durch Papst Eugenius III. heiliggesprochen.
Heinrich hat verschiedene Münzarten in Tiel schlagen lassen. Aus seiner Königszeit stammt eine Münze mit S COLONI A
(Hatz 2; Ilisch 3.2) und eine Münze mit
TIELE (Hatz 19, 20; Ilisch 3.4, 3.5). Dieser Münztyp ist auch aus seiner Kaiserzeit nachgewiesen (Hatz 15, 17; Ilisch 3.3). Ebenfalls werden ihm mehrere Imitationen von Tieler Münzen zugeschrieben.

Abbildung: Heinrich II., als von Gott gekrönter König. Zwei Engel halten mit ihm die heilige Lanze und das Schwert fest, zwei Heilige (Ulrich von Augsburg und Emmeram von Regensburg) stützen seine Arme.
Konrad II. der Salier wurde 990 geboren als Sohn von Heinrich von Worms und Adelheid von Metz. 1024 wurde er König des deutschen Reiches, später auch von Italien und Burgund. 1027 krönte ihn Papst Johannes XIX. zum Kaiser.
Seine Frau hieß Gisela.
Unter Mühen gelang es ihm, den Frieden in seinen Königtümern zu wahren.
Er starb auf seinem Krankenlager in Utrecht Pfingsten 1039. Sein Leichnam wurde im Dom von Speyer beigesetzt.
Bekannt ist ein Münztyp mit TIELE, auf dem Konrad mit seinem Königstitel genannt ist. (Hatz 30, 39 und 40;
Ilisch 3.6, 3.7 und 3.7.1)
Diese Ausführung gibt es auch ohne Andeutung des König- oder Kaisertitels.
(Hatz 31, 44 und 56; Ilisch 3.9 und 3.10)
Der Type mit dem Text CVONRADUS (Hatz 32 und 42; Ilisch 3.8 und 3.10.1) ist ebenfalls ohne Titel. Das gilt auch für
Münzen mit BO xTIELE NA, die dieser Seite den Namen gaben.
(Hatz 29 und 37; Ilisch 3.11 und 3.12)
Mehrere Imitationen von Tieler Münzen werden Konrad II. zugeschrieben. Einige davon führen den Kaisertitel "imperator".

Abbildung: Konrad II. hat den Reichsapfel in der linken und ein Medaillon mit der Abbildung seines Sohnes Heinrich III. in der rechten Hand. Darunter ist Heinrich IV. zu sehen mit drei seiner Kinder.
1039 wurde Heinrich III. im Alter von 22 Jahren König des deutschen Reiches. Er beendet den Streit der Päpste in Rom und ernennt Bischof Suidger von Bamberg zu Papst Klemens II. Dieser krönt ihn 1046 zum Kaiser. Seine erste Frau war Gunhild, Tochter des Wikingerkönigs Knut. Seine zweite Frau Agnes von Poitou schenkt ihm 7 Kinder.
Mit Hingabe bekämpft er die sog. Simonie, den Handel mit geistischen Dingen und Ämtern. Er stirbt 1056 und ist wie seine Vater begraben im Dom zu Speyer.
Seine Tieler Münzen umfassen Prägungen mit BO xTIELE NA und Kaisertitel (Hatz 14, Ilisch 3.15) und ohne Titel (Hatz 10, Ilisch 3.14). Der Typ mit IELI NA ist ohne Titel, wurde aber nach 1046 geprägt. (Hatz 82, 83 und 84, Ilisch 3.17 und 3.18) Ein anderer Typ trägt neber Heinrichs Kaisertitel den Text TIELA VRBS REGALIS. (Hatz 24 und 25, Ilisch 3.19 und 3.20) Fast alle Imitationen mit geistlichen Zeichen (Zaltbommel?) werden Heinrich III. zugeschrieben. Das gilt auch für Imitationen mit dem Colonia-Monogramm aus der Umgebung von Tiel und ein Münze aus einer unbestimmten Münzstätte. (Hatz 79, Ilisch 9.3)
Abbildung: Idealisierte Darstellung von Heinrich III. im Kampf gegen die Simonie.
Abbildung: Heinrich IV. mit seinen Söhnen Heinrich V. und Konrad.
Im alter von 6 Jahren trat Heinrich IV. nach dem Tod seines Vaters 1056 dessen Nachfolge an.
Bis 1065 führte seine Mutter, Agnes von Poitou, die Regentschaft; dann übernahm Heinrich selbst die Regierung. Der sog. Investiturstreit entbrannte zwischen ihm und Papst Gregor VII. und 1075 bedrohte eine Synode in Rom den König mit dem Bann. Er brachte den Erzbischof Wibert von Ravenna als Gegenpapst Klemens III. auf den Papstthron. Von ihm ließ sich Heinrich 1084 zum Kaiser krönen. Sein eigener Sohn Heinrich V. nahm ihn gefangen, der Vater konnte fliehen, starb aber bald darauf in Lüttich. Erst nach der Lösung vom Bann wurde er 1111 in der Gruft der Salier im Dom zu Speyer bestattet, der unter seiner Herrschaft fertig gestellt worden war.
Von Heinrich IV. ist nür eine Tieler Münze mit Königtitel bekannt, mit dem Text TIELA CIVITAS
(Hatz 57, Ilisch 3.21) und keine mit seinem Kaisertitel. Ohne Titel kennen wir mehrere Typen, z.B. eine Münze mit derselben Aufschrift (Hatz 60 und 62, Ilisch 3.28).
Ein Münztyp mit Text TYEL ist beschrieben bei Hatz 38, 58 und 59 und Ilisch 3.26. Interessant ist der Typ mit einer segnenden Hand und im Feld TYLA (Hatz 64, Ilisch 3.32).
Schließlich gibt es noch Münzen aus der Zeit Heinrich IV., die nicht den bekannten Tieler Kopf "en face" sondern "en profil" zeigen. (Hatz 65 bis 67 und Ilisch 3.27 und 3.33 bis 3.36)


Es sind nur zwei verschiedene Nominale bekannt: der Denar (Pfennig) und der Obol (Halbpfennig).
Sie wurden hauptsächlich für den Handel mit dem Ostseegebiet und England geprägt. Die "deutschen" Denare aus dieser Epoche sind deshalb auch bekannt als "Fernhandelsdenare".
Sie werden manchmal in großen Mengen gefunden in Schatzfunden in Schweden, Rußland und dem Baltikum.
Im Durchschnitt machen Tieler Münzen fünf Prozent der Münzen dieser Funde aus. Der Durchmesser ist normalerweise ungefähr 18 mm; und das Gewicht variiert zwischen 0,7 und 1,5 Gramm.

Abbildungen für das Erkennen von Tieler Denaren

Charakteristisch für fast alle Tieler Münzen ist der sogenannte "Tieler Kopf" auf der Vorderseite der Münze. Das ist ein gekrönter Kopf von vorn (en face); er stellt den König/Kaiser dar.
Auf einigen Münzen schaut der König/Kaiser nach links oder rechts. Manchmal findet man Beizeichen neben dem Kopf. Die Legende auf dieser Seite der Münzen enthält den Namen des Herrschers. Meistens ist nur ein Teil des Textes zu lesen. Bei den Rückseiten gibt es große Variationen.

Dieses Bild zeigt einen Denar von Kaiser Heinrich II: die Legende ist "HEINRICVS IMPERAT" ("imperat" ist eine Abkürzung von "Imperator", das lateinische Wort für Kaiser). Da Heinrich II erst in 1014 zum Kaiser gekrönt wurde, stammt dieser Denar aus der Periode 1014-1024.

Auf der Rückseite steht der Text "xTIELE" um ein Kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel. Gleiche Münzen haben kleine Ringeln zwischen den Buchstaben. Das "Z", das man über den Verbindungslinien beider Seiten sieht, bedeutet das die Münze aus Silber ist (Silber heißt "zilver" auf niederländisch).
Die nächste Münze ist von Konrad II (1024-1039). Die (retrograde) Umschrift auf der Vorderseite lautet "xCVONRADVS".
Da kein Titel erwähnt wird, kann man nicht sagen, ob die Münze für Konrad als König oder als Kaiser geschlagen wurde.

Die Rückseite zeigt den Text "BO xTIELE NA". "BONA" heißt "gut" auf lateinisch. Der Text bedeutet also "gute Münze von Tiel" und gab auch dieser Website den Namen.
Eine andere Rückseite die man oft findet ist diese:

Den Text ist "S COLONI A", das sogenannte "Colonia-Monogramm". Colonia steht für die Stadt Köln, zu der Zeit die weitaus wichtigste und größte Stadt im Niederrheingebiet. Kölner Münze waren beliebt und wurden deshalb häufig nachgeprägt.
Der Text "S COLONI A" bedeutet also nicht automatisch das die Münze aus Köln stammt, in Kombination mit einem "Tieler Kopf" auf die Vorderseite handelt es sich meistens um eine Münze von Tiel.
Neben diesen drei Exemplaren gibt es noch ganz andere Typen aus der Münzstätte Tiel, zum Beispiel mit einer Hand oder einem anderen Text.

Das wirkliche Aussehen der Tieler Denare

Oben ist das typische Aussehen der Münzen beschrieben. Die wirklichen Münzen weichen jedoch fast immer von diesen Modellen ab, wie die folgenden Fotos von Vor- und Rückseiten zeigen.

Mehr Fotos finden sie in die Rubrik "Münzengalerie Tiel".

Literatur über Tieler Münzen

G. Hatz : Tieler Denare des 11. Jahrhunderts in den Schwedischen Münzfunden der Wikingerzeit (Commentationes de Nummis Saeculorum IX-XI in Suecia Repertis, 2, Stockholm 1968, Seiten 95 - 190)
A.M. van Herwijnen : De Tielse muntslag (Tabula Batavorum, 12. Jahrgang, Nummer 1, 1994, Seiten 28 - 32 und Graven tussen de rivieren, 2. Jahrgang, Nummer 3, 2002, Seiten 8 - 12)
A.M. van Herwijnen : Bona Tiele; een publicatie en een website (Detector Magazine 57, Juli 2001, Seiten 6, 7 und 9)
A.M. van Herwijnen : Een dubbelslag of een misslag op een naslag van Tiel (Muntkoerier, 33. Jahrgang, Nummer 5, 2004, Seiten 55 und 56)
A.M. van Herwijnen : De schoonheid van een Tielse munt zit 'm niet in zijn uiterlijk (De Beeldenaar, 28. Jahrgang, Nummer 1, 2004, Seiten 23 - 27)
A.M. van Herwijnen / P. van Dijk : Tieler Denare als Spiegel des Gangs nach Canossa 1077 (NUMMI DOCENT! (Festschrift für Peter Ilisch, 2012), pagina's 165 t/m 174)
A.M. van Herwijnen / P. van Dijk : De muntreeks van Tiel onder Hendrik IV in de periode 1077-1084 (De Beeldenaar 37 (2013) nummer 1, pagina 9 t/m 13)
P. Ilisch : Die Münzprägung im Herzogtum Niederlothringen (Jaarboek voor Munt- en Penningkunde 84-85 (1997/8), 2000, Seiten 49 - 129)
G.W. de Wit : De muntslag in Tiel (De Beeldenaar, 13. Jahrgang, Nummer 3, 1989, Seiten 75 - 80)

Bitte melden Sie mir Münzfunde oder Münzen aus Ihrer Sammlung

Bitte verständigen Sie mich, falls Sie jemals eine Münze wie die oben gezeigten finden, damit ich bestimmen kann ob es tatsächlich ein Exemplar aus Tiel ist. Auch wenn die Münze ähnlich aussieht oder Sie Zweifel haben, bin ich interessiert, es kann ja ein Tieler Denar sein.
Sollten Sie glauben oder nur vermuten Tieler Münzen in Ihrer Sammlung zu haben, dann werde ich sie gerne und gratis bestimmen.
Der wichtigste Grund dafür ist, dass es wegen der großen Typenvielfalt und des oft schlechten Zustandes der Münze meistens nicht einfach ist, die Herkunft einer Münze korrekt festzustellen.
Ich bin auch immer interessiert an Bildern von Tieler Münzen und Kopien von Veröffentlichungen zum Thema, ungeachtet in welcher Sprache die Publikation oder wie schlecht das Bild ist.

Was passiert mit den gegebenen Auskünften?

Ihre Daten werden vertraulich behandelt. Niederländische Fundmünzen werden bestätigt am Stichting Bank- en Geldmuseum in Utrecht und da registriert in der NUMIS Datenbank. Neue Münzfunde werden in meinem Artikel über in den Niederlanden gefundene Tieler Münzen aufgenommen.
Verschwiegenheit über der Herkunft der Daten ist gewährleistet. Zusammen mit dem Datenlieferant werde ich entscheiden, ob die Daten veröffentlicht werden.

Gute Gründe, mir Daten zu verschaffen

- Wichtige Daten über Münzfunde gehen nicht verloren
- Falls es noch nicht geschehen ist, werden die Daten bestätigt und gespeichert in der NUMIS Datenbank des Stichting Geld- en Bankmuseum in Utrecht. NUMIS ist eine zentrale Datenbank von niederländischen Münzfunden
- Die Informationen sind hilfreich für meine Studien zum Thema "Tieler Münzen", und speziell um meine Artikel zu aktualisieren
- Für wichtige Informationen gibt es als Belohnung eine gratis Kopie meines Artikels
- Wahrscheinlich kann ich für Sie unbekannte Münzen aus Ihrer Sammlung bestimmen
- Sie werden mir und vielen andere Sammlern und Numismaten einen Gefallen tun und die Freude an unserem Hobby vergrößern

Im Voraus möchte ich allen recht herzlich danken, die in irgend einer Weise einen Beitrag leisten um mich meinem Ziel näherzubringen: das Vollenden meiner Arbeit zum Thema "Tieler Münzen", die auch als Artikel veröffentlicht werden soll.
Dieser Artikel wird bestimmt nicht mein letzter über mittelalterliche Münzen sein!